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Der Dom St. Marien in Zwickau ist eine
der bedeutendsten Hallenkirchen der obersächsischen Spätgotik. An
ihm läßt sich eine über 800 Jahre alte und sehr wechselvolle
Geschichte des Glaubens und Bauens ablesen. Die Anfänge der
Stadtpfarrkirche St. Marien reichen bis um das Jahr 1180 zurück. Der
romanische Vorgängerbau wurde in der Zeit von 1453 bis 1565 zur
Hallenkirche im Stil der obersächsischen Spätgotik umgebaut.
Nachdem der gotische Turmhelm 1650 durch einen Blitzschlag zerstört
worden war, erhielt der Turm in den Jahren 1671 bis 1677 nach einem
Entwurf von Zimmermeister Joachim Marquard aus Plauen seinen
charakteristischen barocken Helm, der eine Höhe von 88 Metern
erreicht. Von 1885 bis 1891 erfolgte unter Oskar Mothes eine
grundhafte Sanierung der Kirche, bei der die bauliche Hülle im Geist
des Historismus modifiziert und unter anderem an den Strebepfeilern
um ein Skulpturenprogramm erweitert wurde. Es stellt Apostel,
Propheten und Persönlichkeiten der Reformation dar.
Die Kirche hat sich wegen tektonischer
Bewegungen im tieferen Untergrund und infolge des
Steinkohlenbergbaues auch unter dem Stadtzentrum um etwa 3,70 m
gesenkt und um mehr als 1,30 m nach Südosten bewegt, was die
Baupflege bis heute und auch weiterhin vor ständig neue
Herausforderungen der Gebäudesicherung und -sanierung stellt.
Der repräsentative Kirchenbau
entspricht seiner wertvollen Ausstattung mit Bild- und Kunstwerken.
Sehenswert sind im Inneren insbesondere der Flügelaltar von Michael
Wolgemut (1479), das Vesperbild von Peter Breuer (1502), das Heilige
Grab von Michael Heuffner (1507), das Netzrippengewölbe (1536/1565),
der Doppelwendelstein, die Kanzel und der Taufstein von Paul Speck
(1538), die barocken evangelischen Beichtstühle (1632), sowie
Bildwerke und Epitaphien aus verschiedenen Epochen. Die 5400 Pfeifen
und 77 Register umfassende viermanualige Orgel der Firma Eule
(Bautzen) ist die größte jemals in der DDR gebaute Kirchenorgel
(1966).
Seit 1517 predigte der Humanist
Johannes Wildenauer (Egranus) an der Marienkirche in reformatorischem
Geist. 1520 wirkte auf Empfehlung Martin Luthers für ein halbes Jahr
Thomas Müntzer als Prediger an der Marienkirche. 1521 bestellte der
Rat mit Nikolaus Hausmann den ersten protestantischen Pfarrer an der
Stadtkirche, der die vergleichsweise frühe Einführung der
Reformation im lutherischen Sinne bewirkte. Von 1737 bis 1743 war
Johann Ludwig Krebs, der berühmte Meisterschüler Johann Sebastian
Bachs, auf dessen Empfehlung als Organist an der Marienkirche tätig.
Im Taufbuch der Stadtkirche St. Marien ist Robert Schumanns Taufe am
14. Juni 1810 eingetragen. Vom siebenten Lebensjahr an erhielt er
Klavierunterricht vom Organisten der Marienkirche, Johann Gottfried
Kuntsch, dem er später sein Opus 56 widmete. In St. Marien hatte er
als Elfjähriger einen seiner ersten öffentlichen Auftritte,
„stehend am Klavier“, wie er später selbst schrieb.
Auf Grund ihrer Größe und der großen
Ausstrahlungskraft ihrer Baugestalt erhielt die Stadtkirche 1935 die
offizielle Bezeichnung „Dom“. Heute ist der Dom St. Marien die
Ephoralkirche des Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirkes Zwickau
und Gotteshaus der aus der früheren Domgemeinde St. Marien und der
ehemaligen Matthäus-Markus-Kirchgemeinde im Zuge der
Kirchgemeindestrukturreformen neu gebildeten Ev.-Luth.
Nicolai-Kirchgemeinde Zwickau.
Gottesdienste werden i.d.R. sonntags
10.30 und 18.00 Uhr, sowie feiertags 10.30 Uhr gefeiert.
Die Kirche ist außerhalb der
Gottesdienstzeiten i.d.R. täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr, in den
Wintermonaten i.d.R. von 13.00 bis 17.00 Uhr zur stillen Andacht und
Besichtigung geöffnet. Um die tägliche Öffnung zu ermöglichen,
wird ein geringes Eintrittsentgelt erhoben. Zur persönlichen Andacht
steht außerdem die Kapelle unentgeltlich zur Verfügung.
Neben Gottesdiensten und Kirchenmusiken
werden auch Kirchenführungen, Orgelführungen und Turmführungen
angeboten.
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